Spiele aus Wien im One-Page RPG Jam 2026

Zwischen Juli und August lief der One-Page RPG Jam 2026 von Unknown Dungeon, einer der größten Jams unter den Pen and Paper Game Jams. Hier können Spieledesigner:innen im Laufe von etwas mehr als einem Monat Spiele einreichen, welche den Regeln des Jams entsprechen - vor allem muss das Spiel neu sein und auf ein Blatt Papier passen. Es gibt auch immer ein Thema (dieses Jahr „Fractured”) welches optional eingehalten werden kann. 

Die Wiener Community hat dieses Jahr stark vorgelegt und wir konnten insgesamt acht Spiele ausfindig machen, die hier in Wien geschrieben wurden! Viele davon wurden auch beim Game Design Meetup „Playstorming“, welches in Kooperation von VindieCon und Paradice stattfindet, getestet.

Gedruckte One-Page RPGs liegen auf einem Tisch ausgebreitet

Einige gedruckte One-Page RPGs, Foto von Leonie Potyka-Zeiler

Böse Fragen stellen in „Any Questions?“

Review verfasst von Sarah Langer

Any Questions? von Joël Adami (weglasern) ist ein kurzes One Shot-Spiel für 2-7 Spielende - wobei es aufgrund seiner Prämisse mit mehr Spielenden vermutlich besser funktioniert. Gespielt wird eine satirische Pressekonferenz. Eine Person übernimmt die Rolle des Hauptredners/der Hauptrednerin, die anderen spielen Vertreter:innen verschiedener Medien, vom kleinen Investigativblatt bis zum Massenmedienkonzern. Das Spiel liefert sowohl Ideen für den Vortrag des/der Hauptredenden als auch eine Würfeltabelle für die Fragen der Journalist:innen, von unangenehmen Nachbohren bis peinlichen Schleimereien ist alles dabei. Aufgrund der kurzen Spielzeit (in den Playtests lag sie unter einer halben Stunde) eignet sich das Spiel als Aufwärmer und Absacker ganz hervorragend.

Durchzechte Nächte rekonstruieren in „Broken Nights/Minds“

Review verfasst von Leni

Broken Nights/Minds von Sev (sev.fyi) und Nici (xTheNarax) ist ein Improv-Rollenspiel, in dem man eine Gruppe von Leuten spielt, die nach einem Hangover versuchen herauszufinden, was in der letzten durchzechten Nacht passiert ist. Die Grundmechaniken des Spiels sind dabei meiner Meinung nach genau das, was das Spiel so besonders macht. Mithilfe einer, von den Macher:innen selbst gestalteten, zerknüllten Serviette mit Wortfetzen, die danach auch noch zerrissen wird, erhalten die Spieler:innen vage Prompts, um nach Hinweisen zu suchen. Der Suchprozess fordert dann dazu auf, sich frei im Raum an dem gespielt wird zu bewegen und mithilfe der Wortprompts Hinweise zu finden, die etwas mit vergangener Nacht zu tun haben könnten. Kreativität ist gefragt, um vermeintliche Alltagsgegenstände, wie beispielsweise einen Make-up Fleck an einer Tür oder eine verlorene Brille, in eine wilde Geschichte zu verwickeln. In der zweiten Phase des Spiels werden dann anhand der gesammelten Hinweise Szenen der vergangenen Party nachgestellt. Also – schnappt euch eure chaotischen Freund:innen, eure Lieblings-Party-Hits und los geht's! Perfekt für kreative Spieler:innen, die gerne gemeinsam Geschichten erzählen und herkömmliches Würfelwerfen zu langweilig finden!

Ferne Planeten erkunden in „Galaxy Ops“

Review verfasst von Joël Adami

In Galaxy Ops von Leonie Potyka-Zeiler (CrowberryCake) schlüpfen die Spieler:innen in die Rollen von Mitgliedern einer streng geheimen Militäreinheit, die durch geheimnisvolle Alien-Technologie zu anderen Planeten reisen kann. Sie gehören einem Team an, dessen Aufgaben in der Regel darin bestehen, das Chaos, das andere angerichtet haben, zu beseitigen. Mechanisch setzt Galaxy Ops auf den „Powered by the Apocalypse“-Rahmen auf, was dafür sorgt, dass die Handlung stets vorangetrieben wird und jede:r einen ausdifferenzierten Charakter spielen kann. Wer in seiner Rolle aufgeht, kann mit Erfahrungspunkten nicht nur seinen Charakter ausbauen, sondern auch die Basis verbessern  – zum Beispiel endlich eine gute Kaffeemaschine für den Pausenraum besorgen. Übliche Probleme von Science-Fiction-Settings umgeht das Spiel, indem vor Beginn alle gemeinsam festlegen, wie interstellares Reisen funktioniert und wer die Gegner:innen sind. Ein kleiner Missionsgenerator unterstützt die Spielleitung, die dennoch ein klein wenig Vorbereitungszeit benötigt.

Einem Gletscher nachtrauern in „Gletscherschmelze“

Review verfasst von Joël Adami

Weltweit verschwinden durch die Klimakrise immer mehr Gletscher. In Gletscherschmelze von Leonie Potyka-Zeiler (CrowberryCake) nehmen alle Spielenden die Perspektive eines solchen Giganten aus Eis ein. Ein präpariertes Kartendeck gibt – nicht komplett – zufällig Prompts vor, die reihum beantwortet werden. Dadurch entsteht nach und nach ein detailliertes Bild der Vergangenheit und Gegenwarts des Gletschers, aber auch der Menschen und Tiere, die in seiner Umgebung leben. Am Ende des Spiels ist der Gletscher unwiederbringlich geschmolzen – und genau dadurch ist Gletscherschmelze so gut dazu geeignet, über die Auswirkungen der Klimakrise nachzudenken. Die wunderschöne handgemachte grafische Gestaltung verstärkt die Melancholie, die das Spiel auslöst. Zum Spielen braucht man nur ein normales Kartendeck, es ist keine Vorbereitung nötig, die Spielzeit variiert je nach Gruppe.

Mit dem Essen spielen in „Maki Master“

Review verfasst von Sarah Langer

Maki Master von Sev (sev.fyi) ist ein GM-loses One Shot-Spiel für 2+ Personen. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle von Maki-Shop-Betreibenden, die Zutaten besorgen und Mahlzeiten zubereiten. Das Besondere an diesem Spiel ist das Spielmaterial: Jede:r Spielende braucht ein Set aus sechs Maki, inklusive Wasabi, Ingwer, Sojasoße und Stäbchen. Mit der Sojasoße wird bestimmt, welchen Herausforderungen man begegnet und mit einem speziellen Stäbchenwurf wird festgestellt, wie erfolgreich die Strategien sind, die man im Angesicht der auftretenden Schwierigkeiten anwendet. Mit Wasabi und Ingwer lassen sich Würfe beeinflussen, etwa um zu verhindern, dass man Maki abgeben muss – denn am Ende darf man alle Maki essen, die noch vor einem stehen. Ideal für eine hungrige Gruppe mit Takeout-Maki.

Die Welt erobern in „Motobellator“

Review verfasst von Leonie Potyka-Zeiler

In Motobellator von Pedro del Real (Prussion Blue Teardrop) spielt man die Crew eines zwölf Meter hohen napoleonischen Dampf-Mechas mit dem Ziel, die Welt zu erobern. Das Alternative-Geschichte-Setting wird durch eine Reihe an kurzen Prompts umrissen und kann so von den Spielenden einfach erweitert und weiter ausgebaut werden. Mechaniken und Narrative sind gut verbunden, mit einem innovativen Würfelsystem, welches sich auch wirklich wie die Steuerung eines höchst instabilen und komplexen Mechs anfühlt. Alles in allem ein ambitioniertes und gut gelungenes Spiel. 

Geheimnisse aufdecken in „Nine Secrets“

Review verfasst von Leonie Potyka-Zeiler

Nine Secrets von Sarah Langer (wellevorkanagawa), ist ein Spiel, das vom Leben einer einzelnen Person erzählt, indem Geheimnisse in verschiedenen Dekaden ihres Lebens aufgedeckt werden (oder anderen Zeiträumen, entsprechend den Regeln für deutlich längere oder kürzere Lebensspannen). Ich bin vor allem Fan davon, dass Story Dice verwendet werden, um die Geheimnisse zu inspirieren. Ich kenne einige Lehrer:innen und gefühlt alle haben diese Würfel! Es ist das perfekte Spiel für schnelle, aber emotionale Runden oder als Improv-Aufwärmübung vor einem Spiel. 

Die ewige Langeweile vertreiben in „Vampire Padel RPG“

Review verfasst von Leonie Potyka-Zeiler

Vampire Padel RPG von Pedro del Real (Prussion Blue Teardrop) ist ein Spiel über Vampire die zum ersten Mal Padel-Tennis spielen, vermutlich weil ihnen elends langweilig ist. Es ist ein freundlicher Wettstreit, wo man sich gegenseitig anstacheln kann. Es ist ein Improv-Spiel (unter anderem) inspiriert von „What We Do in the Shadows“, was meiner Meinung nach eines der besten Vampir-Medien überhaupt ist.

Häufige Fragen (FAQ)

Mitmachen bei Paradice

Alle aktuellen Playstorming Termine findest du auf paradice.wien/penandpaper. 

Lust bekommen, selbst einen Blogartikel zu schreiben? In unserem ersten Beitrag Der Paradice Spiele Blog ist da!, findet ihr alle Infos! 

Verfasst von

Leonie Potyka-Zeiler (sie/ihr)

Leonie ist seit 2024 Mitglied des Vereins und macht sowohl im Blog-Team als auch im Pen-&-Paper-Orga-Team mit. Sie hat viel zu viele Bücher und leitet viel zu viele Spiele.

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Sarah Langer (sie/ihr)

Sarah ist ein Vereinsküken, sie ist erst seit Mai 2026 Mitglied. Eine Begeisterung fürs analoge Spielen, sowohl Brett- als auch Rollenspielen, hält sie aber seit über einem Jahrzehnt bei Laune.


Joël Adami (er/ihm)

Joël Adami ist Journalist und Autor aus Luxemburg und (noch) kein Mitglied im Verein. Er leitet und spielt gerne Rollenspiele und interessiert sich für Umwelt, Queerness, Monster und Weltuntergänge.

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Leni (sie/ihr)

Leni ist seit 2024 Mitglied des Vereins Paradice und ein Teil des Pen-&-Paper-Orga-Teams. Darüber hinaus leitet sie regelmäßig Runden bei Veranstaltungen des Vereins.

Hinweis: Die Beiträge in diesem Blog geben die persönliche Meinung der jeweiligen Autor:innen wieder. Der Verein stellt die Plattform für Themen mit Spielebezug zur Verfügung, übernimmt jedoch keine Verantwortung für die Inhalte der Gastbeiträge.
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