Die Indie-Szene des Rollenspiels jenseits von Dungeons & Dragons

Indie-Rollenspiele können neue Arten des Spielens eröffnen und damit bekannte Systeme bereichern. Sie können aber auch Personen zum Spielen bringen, die sich mit den Riesen der Industrie nicht anfreunden können.

Industriegigant Dungeons & Dragons – Wie Rollenspielen gesehen wird

In den letzten zehn Jahren sind Rollenspiele, vor allem das marktführende Spiel Dungeons & Dragons (D&D) immer mehr in den Mainstream gerückt. Dazu beigetragen haben sicherlich Repräsentation in Serien wie Stranger Things oder The Big Bang Theory, aber auch Actual Plays wie Critical Role und Dimension 20. Während letztere auch andere Systeme bespielen, bleibt ihr Standbein doch D&D.

Auch wenn Rollenspiele immer mehr Bekanntheit erlangen, ist es immer noch ein nischiges Hobby. Während unter Spieleinteressierten vermutlich ein Großteil der Leute weiß, was D&D ist, haben Rollenspiele bei weitem nicht so einen großen Einzugskreis wie Brett- und Kartenspiele. Während sich quasi jede:r vorstellen kann, was prinzipiell an einem Brettspieltisch passiert, gibt es noch immer eine große Menge an Personen, die – selbst wenn sie von D&D gehört haben – sich nicht wirklich vorstellen können, was an einem Rollenspieltisch passiert. 

Im Fall von D&D könnte das Geschehen am Tisch so aussehen: Die Spielenden schlüpfen in die Rolle heldenhafter Charaktere, beschreiben was diese tun und sagen, interagieren miteinander ein bisschen wie in einem Theaterstück mit Regieanweisungen, aber frei improvisiert. Eine Person übernimmt die Rolle der Spielleitung (SL). Diese Person beschreibt die Welt und spielt alle Nebenfiguren und Gegner:innen. Die SL bereitet das Abenteuer und alle Herausforderungen vor, denen sich die Spielenden bzw. ihre Charaktere stellen müssen. Wenn Charaktere etwas tun wollen, dessen Ausgang ungewiss ist, würfeln die Spielenden und berechnen aus ihren Charakterwerten, ob sie über die von der SL festgelegte Schwierigkeit kommen. Einzelne Sitzungen dauern mehrere Stunden, eine ganze Kampagne kann dutzende bis hunderte Sitzungen umfassen. 

Was gibt es abseits von D&D?

Den Leuten ist meistens bewusst, dass es neben D&D auch andere Rollenspiele gibt, aber viele stellen sich vor, dass die „Formel“ gleich bleibt. Das liegt vermutlich daran, dass andere große Namen der Rollenspielszene ähnlich funktionieren: Call of Cthulhu, Das schwarze Auge, Vampire: The Masquerade, Pathfinder oder Shadowrun mögen andere Würfelsysteme verwenden, aber im Großen und Ganzen funktionieren sie wie oben beschrieben.

Aber es gibt eine unglaubliche Vielfalt an Rollenspielen, die kaum jemand sieht. Die Indie-Szene ist im Rollenspielbereich atemberaubend aktiv. Trotzdem bekommt sie nur einen winzigen Anteil der Aufmerksamkeit, die D&D bekommt. Zum Vergleich: Die Plattform D&D Beyond, die unter anderem das digitale Erstellen von D&D-Charakteren ermöglicht, verzeichnete Ende 2024 19 Millionen Nutzer:innen. Im Kontrast dazu haben die Crowdfunding-Kampagnen von Brindlewood Bay und Mausritter, zwei im Indie-Bereich extrem bekannte Spiele, nur jeweils knapp unter 8 000 Unterstützer:innen gehabt.

Die Indie-Szene ist kreativ und innovativ. Hier gibt es Spiele, die ganz ohne Spielleitung und manchmal ohne Würfel auskommen, eine epische Geschichte in einem Abend unterkriegen oder eben keine Held:innengeschichten erzählen. Vielleicht sind alle unsere Charaktere dazu verdammt, vom Teufel geholt zu werden, mit dem wir einen Deal für Ruhm gemacht macht haben (Last Train to Bremen), oder wir sind einfache Besitzer:innen einer Taverne, die den Alltag bestreiten (Stewpot). Vielleicht sind wir non-binäre Personen in einer Familie, in denen nur die Frauen Werwölfe sind und müssen herausfinden, was das für uns bedeutet (Women are Werewolves). Vielleicht sind wir Wesen aus afro-karibischen Sagen und helfen den Bewohner:innen der Virgin Islands kolonisierende Mächte abzuwehren (Mines).

Die Indie-TTRPG-Szene ist voll von diversen und marginalisierten Stimmen, die darauf warten, entdeckt zu werden. Kein Thema ist zu obskur. Warum ich das hier so deutlich mache? D&D hat sicherlich so viele Leute ins Hobby gebracht, wie kein anderes Spiel. Aber es schreckt mit Sicherheit auch ganz viele Leute ab. Leute, die nicht hunderte Seiten an Regeln wälzen und hunderte Stunden an Sessions spielen möchten. Leute, die mit Fantasy nichts anfangen, oder mit dem Bekämpfen von Monstern. Leute, die lieber in den Abgrund der menschlichen Psyche schauen, als heroische Momente zu zelebrieren. Ich bin überzeugt, dass es für jede Person ein Spiel gibt, das sie abholt – solange die Person ein Interesse daran hat, Geschichten zu erleben.

Aber was, wenn man mit D&D glücklich ist? Ich schreibe hier nicht, um jemanden zu bekehren. Wenn man in D&D das gefunden hat, was einem Spaß macht: Hurra! Das ist alles, was ich will. Ich kann es aber trotzdem empfehlen, auch mal ganz andere Spiele auszuprobieren. Viele Tricks und Techniken, die ich in Indie-Spielen gelernt habe, setze ich sehr gerne in meiner D&D-Runde ein, die dadurch auf jeden Fall bereichert wurde und wird.

Wer jetzt Lust bekommen hat, mal in die Nische eines ohnehin nischigen Hobbys zu schauen, hat Glück: Die Personen, die sich beim Paradice Verein als GMs (Game Masters=Spielleitung) engagieren, bieten die volle Bandbreite an Rollenspielen an: von D&D über Brindlewood Bay und Mausritter bis hin zu quasi unbekannten Online-Publikationen. Schau bei einem unserer Events (paradice.wien/penandpaper) vorbei und lass dich von den Geschichten begeistern!

Häufige Fragen (FAQ)

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Verfasst von

Sarah Langer (sie/ihr)

Sarah ist ein Vereinsküken, sie ist erst seit Mai 2026 Mitglied. Eine Begeisterung fürs analoge Spielen, sowohl Brett- als auch Rollenspielen, hält sie aber seit über einem Jahrzehnt bei Laune.

Hinweis: Die Beiträge in diesem Blog geben die persönliche Meinung der jeweiligen Autor:innen wieder. Der Verein stellt die Plattform für Themen mit Spielebezug zur Verfügung, übernimmt jedoch keine Verantwortung für die Inhalte der Gastbeiträge.
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